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Praxis

Praxisbeiträge

Der erste Beitrag dieses Bereichs widmet sich einer Fähigkeit, die im Schach wie im Go nützt: der Analyse eigener Partien. Eine gespielte und vergessene Partie lehrt fast nichts. Eine analysierte Partie zeigt, welche Gewohnheit Sie am Gewinnen hindert, und verrät, woran Sie als Nächstes arbeiten sollten.

Der Hauptfehler einer Partie liegt selten dort, wo Sie eine Figur oder eine Steingruppe verloren haben. Meist geschah er einige Züge früher – dort, wo Sie aufgehört haben, auf die Pläne des Gegenübers zu achten.

— Meinung der Redaktion

Was Sie vorbereiten sollten

  • Die Partienotation: Schachnotation auf dem Partieformular oder eine gespeicherte Online-Partie.
  • Ein Brett mit Figuren oder Steinen, um Stellungen von Hand aufzubauen und nicht nur auf den Bildschirm zu schauen.
  • Ein Heft oder eine Datei für Notizen: Dort sammeln Sie Ihre Erkenntnisse nach jeder Analyse.
  • Eine halbe Stunde Ruhe, am besten noch am selben Tag, solange die Partie frisch im Gedächtnis ist.
  • Die Bereitschaft, eigene Fehleinschätzungen zuzugeben, statt alles auf Pech zu schieben.
  1. Ersten Eindruck festhalten

    Notieren Sie direkt nach der Partie, ohne ein Programm zu öffnen, in wenigen Zeilen, wo sich das Spiel Ihrer Meinung nach entschieden hat und was Sie in diesem Moment empfanden.

    Fiktives Beispiel: Ein Spieler schreibt, er habe wegen eines plötzlichen Königsangriffs verloren – später zeigt sich, dass die Stellung schon viel früher gekippt war.

  2. Partie von Anfang bis Ende nachspielen

    Bauen Sie die Ausgangsstellung auf und spielen Sie alle Züge am Brett nach. Halten Sie sich nicht lange auf – jetzt geht es darum, das Gesamtbild zurückzugewinnen und die Stellen zu finden, an denen Sie lange überlegt oder gezweifelt haben.

    Fiktives Beispiel: In einer Go-Partie bemerkt eine Schülerin, dass sie dreimal hintereinander direkt neben die Züge des Gegners geantwortet hat, ohne auf den Rest des Bretts zu achten.

  3. Wendepunkte markieren

    Suchen Sie zwei oder drei Stellen, nach denen sich die Lage deutlich verändert hat: Materialverlust, ein geschwächter König, eine eingeschlossene Gruppe, eine verpasste Gelegenheit.

    Fiktives Beispiel: Ein Schachspieler markiert den Moment, in dem er auf die Rochade verzichtete, und den nächsten, in dem seine Dame angegriffen wurde.

  4. Jeden Moment selbst durchdenken

    Bauen Sie die Stellung auf und suchen Sie ohne Hilfe den besten Zug. Notieren Sie Ihre Varianten und Überlegungen, auch wenn Sie unsicher sind. Genau diese eigenständige Arbeit ist das Training.

    Fiktives Beispiel: Ein Go-Spieler erkennt, dass er statt einer weiteren Antwort direkt daneben eine schwache Gruppe in einer anderen Ecke hätte stärken können.

  5. Mit Gegenüber oder Programm abgleichen

    Besprechen Sie die Partie mit Ihrem Gegenüber oder prüfen Sie Ihre Schlüsse mit einem Analyseprogramm. Vergleichen Sie dessen Bewertung mit Ihrer eigenen und versuchen Sie, den Grund für die Abweichung zu verstehen, statt sich nur den vorgeschlagenen Zug zu merken.

    Fiktives Beispiel: Das Programm zeigt, dass die Stellung einen Zug früher gekippt ist als gedacht: Der Spieler hatte eine Springergabel übersehen.

  6. Den Hauptfehler benennen

    Formulieren Sie ihn in einem Satz als Gewohnheit, nicht als einzelnen Zug: „Ich prüfe nicht, was nach dem gegnerischen Zug droht“, „Ich greife an, bevor die Entwicklung abgeschlossen ist“, „Ich vergesse die Freiheiten meiner Gruppe“.

    Fiktives Beispiel: In den Notizen steht nun: „Vor jedem Zug alle Schlagzüge und Schachgebote prüfen – eigene und gegnerische.“

  7. Lehren für die Zukunft ziehen

    Suchen Sie Aufgaben zu dem Thema, in dem Sie den Fehler gemacht haben, und lösen Sie in den nächsten Tagen einige davon. Achten Sie in den folgenden Partien besonders auf genau diese Gewohnheit.

    Fiktives Beispiel: Nach mehreren Partien, die wegen ungedeckter Figuren verloren gingen, löst ein Spieler eine Woche lang einfache Aufgaben zum Doppelangriff.

Häufige Fehler

  • Sofort das Programm öffnen und nur auf dessen Bewertung schauen, ohne ein einziges Mal selbst nachzudenken.
  • Nur Niederlagen analysieren: In gewonnenen Partien gibt es nicht weniger Fehler.
  • Ausreden suchen wie „War nur ein Versehen“, statt zu verstehen, warum der grobe Fehler möglich wurde.
  • Vorgeschlagene Züge auswendig lernen, ohne zu verstehen, warum sie stärker sind als die eigenen.
  • Die Analyse aufschieben und vergessen, woran man während der Partie gedacht hat.
  • Alles auf einmal verbessern wollen, statt sich auf eine Hauptgewohnheit zu konzentrieren.

Andere Wege

  • Ist die Notation verloren gegangen, rekonstruieren Sie aus dem Gedächtnis wenigstens die Schlüsselstellung und analysieren Sie nur diese.
  • Haben Sie kein Programm zur Hand, zeigen Sie die Partie einem erfahreneren Spieler oder besprechen Sie sie mit Ihrem Gegenüber.
  • Sind es zu viele Partien, analysieren Sie eine davon gründlich und beschränken sich bei den übrigen auf den ersten Eindruck und den Hauptfehler.

Selbstkontrolle

  • Erster Eindruck direkt nach der Partie notiert
  • Partie vollständig am Brett nachgespielt
  • Zwei bis drei Wendepunkte markiert
  • Zu jedem Moment eigene Varianten ohne Hilfe gefunden
  • Schlüsse mit Gegenüber oder Programm abgeglichen
  • Hauptfehler als Gewohnheit formuliert
  • Passende Aufgaben zum Thema ausgewählt
  • Notiz im Heft oder in der Datei gespeichert

Beitragskatalog für deutschsprachige Leserinnen und Leser

Hier erscheinen nach und nach eigenständige Beiträge über Schach und Go für Einsteiger: zu Regeln, zum Lernen und zum Spiel mit anderen Menschen. Sie werden eigens für die deutsche Sprachversion geschrieben und berücksichtigen, wie man im deutschsprachigen Raum im Verein, in der Schule oder zu Hause lernt und spielt.

Derzeit enthält der Katalog einen Beitrag – den oben veröffentlichten. Neue Beiträge erscheinen in dieser Liste, sobald sie fertig sind.

Woran die Redaktion arbeitet

  • Taktikaufgaben sinnvoll lösen: wie viele, welche und in welcher Reihenfolge.
  • Die erste Go-Partie auf dem kleinen Brett: wie man den Sieger ermittelt.
  • Eine Schachpartie mitschreiben, ohne durcheinanderzukommen.
  • Etikette am Brett im Verein: was üblich ist und was man besser vermeidet.
  • Vorbereitung auf das erste Amateurturnier oder den ersten Mannschaftskampf.

Grundsätze der Redaktion

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  • Fragen

    Kurze Antworten zu Schach, Go, zum Lernen und zum fairen Spiel am Brett und online.

  • Glossar

    Glossar: Schach, Matt, Patt, Rochade, Notation, Freiheit, Ko, Komi, Bedenkzeit.

  • Leselisten

    Leselisten: der erste Monat im Schach, der erste Monat im Go, Strategiespiele mit Kindern.

Quellen

  • FIDE – Schachregeln
  • Enzyklopädische Quellen zur Geschichte von Schach und Go

Die Angaben entsprechen dem Stand bei der Erstellung des Beitrags. Offizielle Turnierregeln werden von Zeit zu Zeit präzisiert. Prüfen Sie deshalb vor einem Turnier die aktuelle Fassung der Regeln und die Ausschreibung der jeweiligen Veranstaltung.